Dienstag, 18. August 2015

Ein Plan entsteht

Noch vor zwei Monaten empfand ich die Idee einer Weltreise als zu abgehoben um länger als eine Minute darüber nachzudenken. Vor meinem inneren Auge sah ich eine nicht enden wollende Kreuzfahrt mit dicken Damen im Abendkleid. Ich bin nicht sicher, welches Ereignis meine Meinung so grundlegend geändert hat. Vielleicht war es Marco Polo.

Es ist eine Marotte von mir, mich in Ideen festzubeißen, die auf den ersten Blick verrückt wirken. Dies hat mich zwei Monate nach Usbekistan, per Anhalter durch halb Europa und anderhalb Jahre nach Russland verschlagen und mir eine Piratenhochzeit eingebracht. Alles Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Nun begab es sich, dass ich allein zu Hause war und krank im Bett lag. Neben mir lag mein Smartphone und spielte auf Youtube Dokus über historische Themen ab, deren Inhalte ich im Halbschlaf ab und an mitbekam. Eine Doku fand ich selbst in diesem Zustand spannend und ärgerte mich regelrecht, dass ich ständig beim Zuhören einschlief: Marco Polo - war er ein Weltreisender, oder hat er sich alles nur ausgedacht?
Als es mir wieder besser ging, sah ich mir die Doku komplett von vorn bis hinten an. Dann noch eine weitere zum Themen Marco Polo. Und noch eine. Und bestellte parallel dazu "seinen" Reisebericht, "Die Wunder der Welt", im Netz. Es war faszinierend, wie ein Mensch ins Unbekannte loszog und einen völlig anderen Teil der Welt kennenlernte - es erweckte meine eigene Reiselust und Lust an der Fremde wieder aus ihrem Dornröschenschlaf. 

Nebenbemerkung: Ich halte es trotz einiger merkwürdiger Anekdoten und Berichte der übernatürlichen Art in Marco Polos Reisebericht für sehr wahrscheinlich, dass seine Reise stattgefunden hat. Die Zweifel lassen sich an der Tatsache zerstreuen, dass die Erlebnisse erste Jahre nach seiner Rückkehr von einem fantasiebegabten und reißerischen Schriftsteller (Rustichello da Pisa) anhand mündlicher Erzählungen niedergeschrieben (oder überarbeitet) wurden. Dabei haben sich sicherlich selbst Erlebtes, die Erzählungen von Mitreisenden, und die mittelalterlich-abendländische Bildung Rustichellos mit einander vermischt. 

So faszinierend die Erzählungen waren, so wenig Lust hatte ich, durch den Nahen Osten und Taklamakan, die Wüste ohne Wiederkehr, zu reisen. Stattdessen stellte ich mir die Frage, welche Orte ich schon immer sehen wollte. Die Liste war lang. Und daraus wurde ein Plan.





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