Samstag, 22. August 2015

Wo unterkommen und was kostet das?

Eine typische Backpacker-Weltreise erscheint uns wie eine Zeitverschwendung - wie soll man auf diese Weise Land und Leute kennenlernen? Mit jungen Europäern in einem 10-Bett-Zimmer Trinkspiele und Party zu machen - dafür sind wir wirklich zu alt.
Die Antwort ist eine Kombination aus Freiwilligenarbeit, Couchsurfing, Airbnb und Bekannten.

Couchsurfing war jahrelang meine bevorzugte Art zu reisen: Man sucht sich jemanden, dessen Profil sympathisch aussieht, schreibt eine persönliche  Nachricht, und in der Regel bekommt man relativ zügig eine Zusage oder bedauernde Absage.

Leider ist Couchsurfing.com zu einer Art kostenlosen Airbnb verkommen, seit ich es das letzte Mal genutzt habe (bevor ich bei meinem Mann eingezogen bin).

Seit ich mein Profil testweise reaktiviert habe, bekomme ich etwa ein bis zweimal pro Woche eine Anfrage.
Da ich nicht mehr allein wohne und deshalb nicht mehr als Langeweile jeden aufnehme, habe ich eine Vorauswahl in mein Profil eingebaut: Der erste Satz in meinem Profil ist, dass ich nur Leute hoste, die sich die Mühe gemacht haben, mein Profil anzuschauen und deshalb meinen echten Namen kennen. Den habe ich ganz am Ende unter meine Couchbeschreibung geschrieben.

Ganze drei Couchsurfer haben in den letzten Monaten meinen Namen in ihrer Nachricht genannt. Stattdessen kamen generische Texte, die sie wahrscheinlich an hundert Leute geschickt haben (anstelle von wenigen, qualitativ hochwertigen Anfragen, die dafür sorgen, dass man sich überlegt, wen man kennenlernen will, mit wem man Dinge gemeinsam hat, - oder vielleicht hat der Gastgeber ein interessantes Hobby, über das ich mehr erfahren will?).

Es kamen sogar Anfragen von Männern aus der gleichen Stadt, die fragten, ob sie heute Nacht bei mir schlafen könnten. Daraufhin habe ich mein Profilbild geändert, sodass es mich zusammen mit meinem Mann zeigt.
Dann kamen noch Anfragen, die an E-Mail-Spam erinnerten: "provitable Geschäfte", die wahrscheinlich hauptsächlich aus Geldwäsche bestehen.
Couchsurfing ist einfach zu groß und bekannt geworden.

Wahrscheinlich werden wir auf kleinere Plattformen ausweichen wie bewelcome, oder gleich Airbnb verwenden, das vor allem in typischen Urlaubsorten einfacher zu handhaben ist. Idealerweise ist man dort bei Einheimischen untergebracht und bezahlt sie für die Unterkunft und Frühstück. Mit etwas weniger Glück ist es eine normale Hostel.
Zum Beispiel habe ich mir die Osterinsel vorgenommen: auf Couchsurfing gibt es nur eine Handvoll potentielle Gastgeber, die "vielleicht" eine Couch haben. Auf Airbnb gibt es zum Beispiel einen Bauernhof im Nirgendwo mit Pferden, der damit beworben wird, dass es frische Kuhmilch am Morgen gibt und direkt am Meer liegt.

Natürlich müssen wir auch etwas aufs Budget achten. Der oben beschriebene Bauernhof kostet 47 Euro pro Nacht für zwei Personen. Hostels bekommt man am 20 Euro.

Empfehlungen für das Tagesbudget für eine Weltreise reichen von 10 bis 60 Euro pro Tag, je nach Land und Ansprüchen.
Für ein Jahr Reise à 60 Euro pro Tag müsste man rein rechnerisch 21.900 Euro sparen. Und dazu kommen noch die Flüge und andere Transportkosten.
Wir haben uns das Sparziel 30.000 Euro pro Person gesetzt. Erst wenn das erreicht ist, setzen wir das Abreisedatum fest. Wir sind beide glücklicherweise in der Situation, recht gut zu verdienen, damit stehen die Chancen gut, das Geld bis 2025 auf der hohen Kante zu haben und in der Zwischenzeit trotzdem auf wenig verzichten zu müssen.

Als Freiwilligenarbeit wird eine kurzzeitige Arbeit in Nationalparks oder in anderen öffentlichen Einrichtungen wie Schulen bezeichnet, die mit Unterkunft und Verpflegung bei Einheimischen oder direkt im Park angeboten wird.
Aber nur weil es "Arbeit" genannt wird, heißt das nicht, dass man dafür bezahlt wird. Im Gegenteil zahlt man dafür u.a. eine Organisationsgebühr, Unterkunft, Verpflegung, Workshops und Transport.
Wahlweise kann ein Sprachkurs dazu gebucht werden. Für einen vierwöchigen Aufenthalt sollte man mehr als 1500 Euro einplanen. Das entspricht ebenfalls etwa 60 Euro am Tag.
Diese Programme werde ich in einem separaten Blogeintrag detaillierter vorstellen.

Die beste Art unterzukommen, sind wahrscheinlich Verwandte und Bekannte. Leider ist das nicht für Jeden eine Option, Verwandte zu besuchen, aber es ergeben sich im Lauf der Jahre immer wieder Zufallsbekanntschaften, die froh sind, dir als Gastgeber die Schönheit ihres Lands zu zeigen.
Wir haben dieses Glück für Neuseeland, denn dorthin sind gute Bekannte von meinem Mann ausgewandert.

Zelten wollen wir definitiv vermeiden; erstens ist es möglicherweise illegal, und zweitens weiß man nie, welches Tier es sich vielleicht in deinem Schlafsack bequem macht oder dein Zelt für eine Verpackung von etwas Leckerem hält.
Wir werden wahrscheinlich nicht mal ein Zelt für den Notfall mitnehmen, sondern höchstens einen leichten Schlafsack und Mini-Iso-Matte, falls wir nur ein Plätzchen auf dem Fußboden in einer Privatwohnung bekommen können.

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